Die ukrainische Drohnenkampagne zur Unterbrechung der Treibstofflogistik und zur Beschneidung der Exporteinnahmen der RF hat ein systemisches Ausmaß erreicht. Nach Berechnungen von Reuters wurden seit Jahresbeginn mindestens 16 russische Erdölraffinerien angegriffen, was zum krisenhaften Ausfall von 11 % der gesamten Verarbeitungskapazitäten des Landes führte.
Die operative Krise des Öl- und Gassektors in Zahlen:
- Ausmaß der Stillstände: Zwischen Januar und Mai erreichte das tägliche Volumen stillstehender Primärverarbeitungskapazitäten 95.000 Tonnen — das Dreifache des im Vorjahreszeitraum verzeichneten Niveaus.
- Intensität der Angriffe: Die Zahl der erfolgreichen Angriffe auf Objekte des Energiesektors hat sich verdoppelt (16 Treffer gegenüber 8 im Vorjahr). Insgesamt wurden aufgrund von Schäden 35 Primärverarbeitungsanlagen mit einer Gesamtkapazität von 390.000 Tonnen pro Tag (ca. 2,85 Millionen Barrel pro Tag) vorübergehend stillgelegt.
- Geografie der Schäden: Treffer wurden in wichtigen Raffinerien im europäischen Teil der RF und im Ural verzeichnet, darunter Anlagen in Kirischi, Nischni Nowgorod, Perm, Saratow, Samara, Wolgograd und Tuapse.
Systemressource: Analyse von Resilienz und Risiken
Der Ausfall der technologischen Knotenpunkte der Primärverarbeitung (insbesondere der atmosphärischen Destillationsanlagen) hat eine Kettenreaktion ausgelöst, die das gesamte rohstoffbasierte Modell der RF destabilisiert:
- Einbruch der Erdölprodukte-Exporte: Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) fielen die russischen Exporte von Fertigkraftstoffen im April auf ein historisches Tief — lediglich 2,2 Millionen Barrel pro Tag.
- Erzwungener Rückgang der Förderung: Die Unfähigkeit, Rohöl im Inland zu verarbeiten, gepaart mit Sanktionsbeschränkungen für Rohölexporte und logistischen Engpässen, drückte die Ölförderung im April auf ein Pandemie-Tief von 8,83 Millionen Barrel pro Tag. Die Jahresfördermengen verharren auf dem niedrigsten Stand seit Mitte der 2000er Jahre — 511 Millionen Tonnen.
- Investitionsparalyse: Sergei Wakulenko, Experte am Berliner Carnegie-Zentrum, betont, dass Ölkonzerne gezwungen sind, Milliardenbudgets von der langfristigen Entwicklung in Notfallreparaturen und den Kauf knapper Luftverteidigungs- und EloKa-Systeme umzuleiten. Das Einfrieren von Investitionen in die Erschließung neuer, schwer zugänglicher Vorkommen programmiert einen unumkehrbaren Rückgang der künftigen Ölförderung vor.
Fazit: Die militärische Führung der RF ist nicht in der Lage, das weit verzweigte Netz ziviler Raffinerien mit der bestehenden Luftverteidigung zuverlässig zu schützen. Der kumulative Effekt der Drohnenangriffe entzieht der Staatskasse eine Haupteinnahmequelle für Devisen und bedroht die Stabilität der Kraftstoffversorgung auf dem Inlandsmarkt.