Staatliche Propaganda soll alle russischen sozialen Netzwerke, Marktplätze und Videodienste durchdringen

Russland plant die Einrichtung einer „Nationalen Informationsplattform“ auf Basis des News-Aggregators „Dzen“. Diese Plattform soll verpflichtend in die Websites und Apps von sozialen Netzwerken, Marktplätzen, Videodiensten und anderen Internetressourcen integriert werden. Der Vorschlag stammt von der VK-Holding, und die Regierung bereitet laut Kommersant bereits entsprechende Gesetzesänderungen vor. Der Gesetzentwurf soll im Mai 2026 in die Staatsduma eingebracht werden.

Details der Reform:

  • Einbindungspflicht: Laut einer VK-Präsentation wird ein Nachrichtenblock von „Dzen“ mit den „Top 5 News“ als Widget auf den Startseiten von sozialen Netzwerken und Suchmaschinen platziert. Auf anderen Plattformen ist eine Schaltfläche vorgeschrieben, die zu den „Top 15 News“ führt.
  • Zielgruppe: Dienste mit mehr als 5 Millionen täglichen Nutzern müssen das Widget sofort nach Verabschiedung des Gesetzes installieren. Kleinere Plattformen erhalten eine halbjährige Übergangsfrist.
  • Staatliche Kontrolle: Die Regierung bestimmt, welche Medien in den „Dzen“-Nachrichtenblock aufgenommen werden, und wählt den Betreiber der Nationalen Plattform für eine Laufzeit von fünf Jahren aus.
  • Finanzielle Anreize: VK schlägt vor, die Werbeeinnahmen mit den Plattformen zu teilen, die das Widget installieren, und die im Aggregator gelisteten Medien finanziell zu unterstützen.

Analytisches Fazit:

Die Schaffung der Nationalen Informationsplattform markiert die letzte Phase der Umwandlung des russischen Internets in einen Raum für „nahtlose“ staatliche Propaganda. Dieses Projekt zerstört faktisch die letzten Reste algorithmischer Unabhängigkeit, selbst auf rein kommerziellen Plattformen.

„Nahtlose“ Beeinflussung: Die Behörden versuchen, die „Filterblasen“ der Nutzer zu durchbrechen, die versuchen, der Politik zu entkommen, indem sie Zeit auf neutralen Diensten wie Online-Shopping, Kino oder Musik verbringen. Nun wird ein Nutzer, der auf einem Marktplatz nach Lebensmitteln sucht, dennoch mit der staatlichen Interpretation der Ereignisse konfrontiert. Dies ist eine Strategie des „unentrinnbaren Informationsrauschens“.

Ökonomische Bestechung: Durch das Angebot, Werbeeinnahmen zu teilen, versucht VK, den Widerstand der Unternehmen zu mildern. Die erzwungene Integration eines fremden und potenziell toxischen Nachrichtenmoduls in Shopping-Apps könnte die Konversionsraten senken und die Marke schädigen, weshalb die Regierung versucht, die Zustimmung des Business zu „erkaufen“.

Das Ende des Medienwettbewerbs: Da die Regierung die Liste der „zugelassenen“ Medien festlegt, werden alle alternativen Nachrichtenquellen – selbst loyale, die aber nicht „diszipliniert“ genug sind – endgültig vom Traffic abgeschnitten. Das System wird zu einer digitalen Version der sowjetischen Nachrichtensendung „Wremja“, die gleichzeitig auf allen Kanälen ausgestrahlt wird.

Prognose: Die Integration dieser Plattform wird die Qualität der Nutzererfahrung im Runet weiter verschlechtern. Marktplätze und Videodienste werden weniger benutzerfreundlich, und das Misstrauen gegenüber Informationen wird weiter wachsen. Technisch gesehen bietet dies auch einen „Ausschaltknopf“: Jede Ressource, die sich weigert, das Staatsmodul einzubetten, kann leicht blockiert werden.

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