Der russische DIY-Markt (Do It Yourself) erlebt einen drastischen Rückgang. Ein einbrechender Wohnungsmarkt, hohe Inflation und stagnierende Realeinkommen zwingen die großen Ketten zu radikalen Optimierungen und der Schließung Dutzender Standorte.
Zahlen und Fakten zur Krise:
- „Stroitelny Dwor“: Bis Ende 2025 schrumpfte das Netz um 23 % durch die Schließung von 98 Filialen. Dem Einzelhändler bleiben nun noch 322 Standorte.
- OBI („Domlenta“): Die Anzahl der Baumärkte sank um 12 % auf nur noch 23 Standorte. Der Umsatz der Markeneinheiten brach um 10 % auf 25,2 Mrd. Rubel ein.
- „Lemana pro“ (ehemals Leroy Merlin): Selbst der Marktführer verliert an Boden – der Umsatz sank um 6 % auf 550 Mrd. Rubel.
- Gesamtmarkt: Die kumulierten Verkäufe im Sektor für Renovierungsbedarf gingen um 2 % auf 1,15 Billionen Rubel zurück.
Analytisches Fazit:
Die Situation im Baumarkt-Einzelhandel im Jahr 2026 ist eine klassische Manifestation des „Domino-Effekts“, der durch die Krise im Bausektor ausgelöst wurde.
Lähmung des Hypothekenmotors: Der wichtigste Treiber für den Verkauf von Baumaterialien – der Kauf und Ausbau neuer Wohnungen – ist praktisch zum Erliegen gekommen. Aufgrund von prohibitiv hohen Hypothekenzinsen und dem Auslaufen von Förderprogrammen brach die Nachfrage nach Neubauten ein, was den Renovierungsmarkt unmittelbar traf. Professionelle Kunden und Bauträger (B2B-Segment) reduzieren ihre Beschaffungen drastisch.
Kosteninflation und „Aufschub der Renovierung“: Steigende Preise für Baumaterialien (bedingt durch Logistikprobleme, Importkosten und Fachkräftemangel) haben Renovierungen für viele Russen zu einem unerschwinglichen Luxus gemacht. Die Bevölkerung ist in einen Sparmodus gewechselt und bevorzugt kleine Schönheitsreparaturen gegenüber großen Modernisierungen. Dies erklärt, warum selbst bei Discountern die Umsätze sinken.
Einzelhandel im Überlebenskampf: Die Schließung von fast 100 Filialen einer Kette innerhalb eines Jahres ist mehr als nur eine „Optimierung“ – es ist ein Kampf ums Überleben. Händler trennen sich von unrentablen Standorten in Regionen, in denen die Kaufkraft am stärksten eingebrochen ist. Sollte die Stagnation im Wohnungsbau anhalten, ist eine Welle von Insolvenzen bei mittelgroßen Akteuren und eine weitere Marktkonzentration unausweichlich.