Dutzende Unternehmen in St. Petersburg und dem Gebiet Leningrad haben aufgrund finanzieller Schwierigkeiten ihren Betrieb eingeschränkt oder ganz eingestellt, berichtet Delovoy Petersburg. Die wirtschaftliche „Abkühlung“ ist von der Theorie in die Praxis der leerstehenden Werkshallen übergegangen.
Geografie und Ausmaß der regionalen Krise:
- Tichwin (Lusales, ehemals IKEA): Die Möbelproduktion wurde vollständig eingestellt. Grund sind Zahlungsverzögerungen für bereits gelieferte Waren, was zu einem Mangel an Betriebskapital und der Unfähigkeit führte, Rohstoffe zu kaufen.
- Kolpino (IZ-KARTEKS): Ab dem 1. Mai stellt das Werk für schwere Bergbaubagger 38 % des Personals auf eine Dreitagewoche um. Hauptgründe sind sinkende Nachfrage und wachsende Schulden der Kunden aus dem Bergbausektor.
- Gebiet Leningrad (Statistik): Bis Mitte März haben 8 Betriebe die Produktion vollständig eingestellt, 16 weitere haben ihre Arbeitspläne gekürzt.
- St. Petersburg: Über 1.300 Mitarbeiter in 53 Organisationen befinden sich im Stillstand, weitere 2.150 Personen in 30 Unternehmen wurden auf Teilzeit umgestellt.
Analytisches Fazit:
Die Situation im Nordwesten ist ein Spiegelbild der landesweiten Liquiditätskrise. Das Problem hat sich vom Finanzsektor direkt in die Realwirtschaft verlagert.
Zahlungskrise 2.0: Der Stillstand des Werks in Tichwin wegen „Zahlungsverzug“ ist ein klassisches Anzeichen für den Abriss von Zahlungsketten. Wenn ein Großkunde nicht zahlt, stehen Dutzende Zulieferer still. Unter den extrem hohen Leitzinsen können Unternehmen die Lücken nicht durch Kredite schließen, sodass der Stillstand der einzige Weg bleibt, Verluste zu „einfrieren“.
Investitionssackgasse: Die Probleme bei IZ-KARTEKS (Bagger) und den Metallurgiegiganten (MMK, TMK) deuten auf einen tiefen Einbruch im Bergbau- und Bausektor hin. Wenn Bergbauunternehmen keine Maschinen und Rohre mehr kaufen, fahren sie ihre Entwicklungsprogramme zurück. Dies bestätigt die These vom „Einfrieren“ von Kapitalinvestitionen im ganzen Land.
Verdeckte Arbeitslosigkeit: Die Einführung von Kurzarbeit und Stillständen ist der Versuch von Behörden und Wirtschaft, massenhafte Entlassungen zu vermeiden, die soziale Unruhen auslösen könnten. Faktisch bedeutet dies jedoch einen massiven Einbruch der Realeinkommen der Bevölkerung. Wenn Giganten wie RZD und MMK anfangen, Tausende Mitarbeiter zu entlassen, ist das ein Signal, dass die „Sicherheitsmarge“ selbst bei den systemrelevanten Konzernen aufgebraucht ist.