Die Einstellung des Exports von Erdölprodukten über den Ostseehafen Ust-Luga nach den Drohnenangriffen vom 25. März könnte große Raffinerien im europäischen Teil Russlands dazu zwingen, die Verarbeitung drastisch zu drosseln. Laut Reuters macht die beschädigte Infrastruktur den Abtransport von Kraftstoffen unmöglich und treibt die größten Werke des Landes an den Rand eines vollständigen Stillstands.
Der logistische Engpass:
- Infrastruktur-Lähmung: Bei den Drohnenangriffen wurde die Eisenbahnrampe zur Entladung von Kesselwagen am Terminal „Ust-Luga Oil“ beschädigt. Die Annahme von Produkten aus den Raffinerien Kirishi (Kinef), Jaroslawl (JaNOS), Moskau und Rjasan wurde komplett gestoppt.
- Der Faktor Schweröl (Masut): Diese Raffinerien produzieren zwischen 18 % und 35 % Masut als Nebenprodukt der Rohölverarbeitung. In Russland gibt es kaum Bedarf an Masut – fast die gesamte Menge wurde über die Ostsee exportiert (allein über 14 Mio. Tonnen pro Jahr aus den genannten Werken).
- Stilllegungsgefahr: Die Lagertanks der Raffinerien füllen sich innerhalb weniger Tage mit Masut. Wenn es nicht abtransportiert werden kann, erzwingt der technologische Zyklus eine sofortige Reduzierung der Rohölverarbeitung bis hin zum Erlöschen der Anlagen.
Analytisches Fazit:
Die Lage an der Ostsee entwickelt sich zu einer „ökonomischen Strangulierung“ des russischen Kraftstoffmarktes durch die Nebenprodukte der Raffination.
Dominoeffekt für Benzin: Das Hauptproblem ist nicht ein Mangel an Masut, sondern die technologische Kopplung der Prozesse. Man kann kein Benzin herstellen, ohne Masut zu produzieren. Um die Masut-Produktion zu senken, müssen die Raffinerien die gesamte Rohölverarbeitung proportional drosseln. Dies geschieht zum Zeitpunkt des saisonalen Nachfragespitzenwerts für Benzin, was unweigerlich zu Engpässen an den Tankstellen und einem massiven Preissprung im Inland führen wird.
Der „Masut-Pfropfen“: Im Gegensatz zu Diesel oder Benzin, die vorübergehend auf den Inlandsmarkt umgeleitet werden könnten, benötigt Russland Masut nicht in diesen Mengen. Eine Umleitung in südliche Häfen ist aufgrund der logistischen Überlastung der Eisenbahnen (die RZD arbeitet bereits am Limit) unmöglich. Die Ostsee war der einzige effektive Absatzkanal für „schwere“ Fraktionen der Raffinerien in Zentralrussland.