Der Kreml versucht, die Destabilisierung im Nahen Osten als Hebel zu nutzen, um seine energetische Isolation zu durchbrechen. Wladimir Putin erklärte offiziell seine Bereitschaft, die Öl- und Gaslieferungen in die EU wiederaufzunehmen, und bot europäischen Unternehmen eine „langfristige, von politischer Konjunktur befreite Zusammenarbeit“ an. Im Kern setzt Moskau darauf, dass der Schock durch die Blockade der Straße von Hormus Brüssel dazu zwingen wird, die Sanktionspolitik zu überdenken.
Blockade der Straße von Hormus als „Fenster der Möglichkeiten“ für Russland
Der Krieg im Iran und die Bedrohung des Tankerverkehrs durch einen zentralen Logistikknotenpunkt, über den ein Drittel des weltweiten Ölhandels abgewickelt wird, sind zum Hauptargument des Kremls geworden. Nach Prognosen der russischen Behörden sollen die kommende „neue Preisrealität“ und der sprunghafte Anstieg der Inflation in Europa russisches Gas wieder attraktiv machen. Derzeit werden innerhalb der EU nur noch Ungarn und die Slowakei beliefert, doch Putin signalisierte, dass die Liste der „zuverlässigen Vertragspartner“ bei entsprechenden politischen Zugeständnissen erweitert werden kann.
Geopolitische Falle: Energieressourcen gegen Loyalität
Das Angebot zur „Umorientierung“ zurück nach Russland ist Moskaus Versuch, in einem Moment maximaler Verwundbarkeit der Weltmärkte den Status als Schlüssellieferant zurückzugewinnen. Hinter der Rhetorik einer „gemeinsamen Arbeit“ verbirgt sich jedoch die Forderung nach einem vollständigen Verzicht auf politischen Druck. Für Europa bedeutet dies die Wahl zwischen einer vorübergehenden Senkung der Energiepreise und einer langfristigen Abhängigkeit von Lieferungen, die der Kreml bereits mehrfach als geopolitische Waffe eingesetzt hat.