Russland ist gezwungen, seine Politik massiver Preisnachlässe für Gasexporte nach China fortzusetzen. Nachdem der europäische Markt verloren ging, ist Peking praktisch der einzige verbliebene Großkunde für Gazprom. Laut Bloomberg-Berichten werden die zweistelligen Rabatte mindestens bis zum Ende des Jahrzehnts bestehen bleiben.
Eckdaten der Preisgestaltung (Prognose bis 2029):
- Aktuelles Jahr: Gas über die Pipeline „Power of Siberia“ ist für China 39 % günstiger als für Kunden in Europa und der Türkei (258 $pro 1.000 m³ gegenüber 420$).
- Jahr 2027: Der Preis für China sinkt auf 223,9 $, wobei der Abschlag gegenüber europäischen Verträgen 33 % beträgt.
- Ende des Jahrzehnts: Für 2028–2029 wird der Rabatt auf 27–30 % prognostiziert (ca. 230–235 $ pro 1.000 m³).
Export- und Infrastrukturpläne:
- Volumen: Bis 2029 sollen die Lieferungen nach China auf 52,5 Mrd. m³ steigen (ein Zuwachs um ein Drittel) – ermöglicht durch den Ausbau der „Power of Siberia“ und die neue Fernost-Route.
- „Power of Siberia 2“: Entgegen früherer Ankündigungen von Wladimir Putin und Gazprom-Chef Alexej Miller zeigen Regierungsprognosen, dass die geplante Pipeline mit einer Kapazität von 50 Mrd. m³ vor 2030 nicht in Betrieb gehen wird.
Analytische Zusammenfassung
Die Gaslieferungen im Jahr 2026 zementieren Pekings Status als „Monopsonist“ (Alleinabnehmer) für russisches Pipeline-Gas. Der Verlust des lukrativen europäischen Marktes hat Gazprom in eine schwache Verhandlungsposition gebracht: Um das geförderte Gas überhaupt absetzen zu können, muss der Konzern nahezu jede Bedingung Chinas akzeptieren.
Ein Preisunterschied von 30–40 % im Vergleich zu Lieferungen in die Türkei oder nach Ungarn bedeutet faktisch, dass Russland die chinesische Industrie auf Kosten der eigenen Ressourcen subventioniert. Die Rentabilität dieser Projekte ist fraglich, da gleichzeitig enorme Investitionen in die neue Infrastruktur fließen müssen. Dass die „Power of Siberia 2“ vorerst aus den Plänen bis 2030 verschwunden ist, entzieht der russischen Strategie der „Wende nach Osten“ das Rückgrat. Ohne diese Verbindung kann Russland die ehemals nach Europa gelieferten Mengen (ca. 150 Mrd. m³ jährlich) nicht ersetzen und bleibt in einer dauerhaften Abhängigkeit von Chinas Preisdiktat gefangen.