Die ukrainische Botschafterin in den USA, Olha Stefanischyna, hat die Regierung von Donald Trump aufgefordert, die Sanktionen gegen russisches Öl umgehend wieder in Kraft zu setzen. Sie betonte, dass Moskau nicht von der Destabilisierung des Weltmarktes profitieren dürfe, die durch die Handlungen seines Verbündeten Iran verursacht wurde. Laut der Diplomatin führt die Begünstigung eines Aggressors durch wirtschaftliche Lockerungen unweigerlich zu neuen globalen Konflikten, da der Kreml diese Einnahmen nutzt, um die Gegner der USA weltweit zu unterstützen.
Präsident Wolodymyr Selenskyj verurteilte die vom US-Finanzministerium erteilten befristeten Lizenzen ebenfalls scharf. Er wies darauf hin, dass Russland allein in der vergangenen Woche Tausende von Drohnen und Hunderte von Fliegerbomben gegen die Ukraine eingesetzt hat, deren Finanzierung direkt von den Kohlenwasserstoffexporten abhängt.
Statistiken zum Schattenexport laut Selenskyj:
- Mehr als 110 Tanker der russischen Schattenflotte befinden sich derzeit auf See;
- Das Gesamtvolumen des Öls an Bord übersteigt 12 Millionen Tonnen;
- Die erwarteten Einnahmen aus diesen Lieferungen belaufen sich auf etwa 10 Milliarden Dollar.
Selenskyj resümierte, dass jeder Dollar, der für russisches Öl eingenommen wird, in neue Angriffe auf ukrainische Städte investiert wird und dass die Lockerung der Sanktionen lediglich die Illusionen der russischen Führung nährt, den Krieg endlos fortsetzen zu können.
Analytische Zusammenfassung
Der Appell Kiews an die Trump-Administration offenbart einen fundamentalen Interessenkonflikt im Jahr 2026. Für die Ukraine sind Russlands Öleinnahmen eine direkte Bedrohung für das Überleben, während russische Barrel für das Weiße Haus angesichts der Krise im Persischen Golf zu einem notwendigen Instrument zur Eindämmung der Benzinpreise geworden sind. Die Ukraine versucht Washington zu vermitteln, dass der kurzfristige wirtschaftliche Nutzen von billigem Treibstoff langfristig zu hohen Kosten führen wird, um neue geopolitische Brände zu löschen, die von Moskau und Teheran geschürt werden.
Die Summe von 10 Milliarden Dollar Gewinn aus der „Schattenflotte“ zeigt, dass Sanktionsdruck ohne das Schließen logistischer Schlupflöcher seine Wirkung verliert. Sollte Trump den Weg des „Energiepragmatismus“ wählen, würde dies einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen: Ein Aggressor könnte seine Einnahmen legalisieren, indem er einfach die nächste Welle der Instabilität in der Welt abwartet. Für Kiew ist es von entscheidender Bedeutung, die USA davon zu überzeugen, dass die Sicherheit der Weltordnung mehr wert ist als eine vorübergehende Ruhe an den amerikanischen Tankstellen.