Sämtliche Bemühungen von Donald Trump, Indien innerhalb eines halben Jahres zum Verzicht auf russisches Öl zu bewegen, sind an seinen eigenen Handlungen gescheitert. Im März kaufte Indien fast doppelt so viel wie im Februar und zeigt keine Absicht, diesen Kurs zu ändern.
Rekordzahlen im März:
- Gesamtvolumen: Indien erwarb im März rund 60 Millionen Barrel russisches Rohöl.
- Tagesimport: Der Durchschnitt stieg auf 1,98 Millionen Barrel pro Tag – ein fast zweifacher Anstieg gegenüber Februar und der höchste Stand seit Juni 2023.
- Abbau der „schwimmenden Lager“: Indische Raffinerien leerten etwa ein Drittel der Tanker, die aufgrund von Sanktionsbefürchtungen monatlich auf See als schwimmende Lager zwischengeparkt waren.
Analytisches Fazit:
Die Situation im März 2026 zeigt, dass für Neu-Delhi die wirtschaftliche Zweckmäßigkeit die politischen Risiken endgültig überwiegt und der US-Sanktionsmechanismus tiefe Risse bekommen hat.
Scheitern der Trump-Strategie: Das Weiße Haus rechnete damit, dass die Drohung von Sekundärsanktionen Indien zu alternativen Lieferanten drängen würde. Doch Trumps eigenes Vorgehen (insbesondere die Eskalation um den Iran und die Straße von Hormus) hat zu einer Verknappung der verfügbaren Rohstoffe geführt. Infolgedessen greifen indische Raffinerien nach „allem, was sie erreichen können“, und betrachten russisches Öl als einzige Möglichkeit, die Raffineriemargen angesichts des globalen Defizits stabil zu halten.
Faktor der auslaufenden Ausnahmen: Die Erwartung, dass Washington die in wenigen Tagen auslaufenden Sanktionserleichterungen (waivers) verlängern wird, wirkte als Katalysator für den März-Boom. Doch selbst bei einer Aufhebung machen indische Ölmanager deutlich: Es gibt keine Alternativen. Indien hat ein robustes Zahlungs- und Versicherungssystem aufgebaut, das es erlaubt, direkte US-Verbote zu ignorieren.
Nicht nur Nayara Energy: Während Analysten zuvor prognostizierten, dass nur die von Rosneft kontrollierte Raffinerie Nayara Energy (die unter EU-Sanktionen steht) russisches Öl abnehmen würde, zeigen die März-Daten die Beteiligung aller großen Akteure, einschließlich indischer Staatskonzerne. Dies macht den Kauf von russischem Öl zu einem Element der nationalen Sicherheitsstrategie Indiens und nicht nur zu einem Privatgeschäft eines einzelnen Akteurs.