Die Ölexporte aus russischen Häfen haben sich Anfang April teilweise erholt, nachdem ukrainische Drohnenangriffe Ende März die Kapazitäten in den Ostseehäfen Ust-Luga und Primorsk massiv beeinträchtigt hatten. Obwohl das Exportvolumen weiterhin deutlich unter dem Niveau von Mitte März liegt, konnte der sprunghafte Anstieg der Weltmarktpreise die geringeren Mengen mehr als kompensieren.
Exportdynamik und Infrastrukturschäden:
- Finanzieller Höchststand: Laut Bloomberg stieg der durchschnittliche Wert der wöchentlichen Ölexporte (auf Basis der letzten vier Wochen) auf 2,02 Mrd. USD. Dies ist der höchste Stand seit Juni 2022.
- Der „Drohnen-Effekt“: Aus dem von ukrainischen Drohnen bombardierten Hafen Ust-Luga lief in der Woche bis zum 5. April kein einziger Tanker aus (zwei Wochen zuvor waren es noch 8). Primorsk konnte die Lieferungen jedoch stabilisieren und schickte 10 Tanker auf den Weg.
- Gesamtvolumen: Insgesamt verließen 28 Tanker mit 20,88 Mio. Barrels die russischen Häfen, was über dem Tiefststand von Ende März (16,62 Mio. Barrels) liegt.
Analytisches Fazit:
Russland befindet sich in einer paradoxen Lage, in der ein „fremder Krieg“ den Haushalt vor den Folgen des eigenen Krieges schützt.
Preis-Mengen-Schere: Die ukrainische Strategie, gezielt Ostseeterminals anzugreifen, zeigt Wirkung – die Logistik in Ust-Luga ist faktisch gelähmt. Doch der globale Markt reagiert auf die Iran-Krise schneller, als Drohnen russische Terminals ausschalten können. Das Ergebnis: Moskau verdient mehr, während es physisch weniger liefert.
Strategische Instabilität: Diese Rekordeinnahmen hängen direkt an der Eskalation im Nahen Osten. Sollte die Straße von Hormus wieder geöffnet werden, wird der „Drohnen-Effekt“ für den Kreml fatal: Die Preise werden sinken, während die beschädigte Hafeninfrastruktur es unmöglich macht, die Verluste über die Menge auszugleichen.
„Die Ereignisse im Nahen Osten und die Blockade der Straße von Hormus haben für den russischen Haushalt die Situation einer ‚Öl-Oase‘ geschaffen. Trotz der physischen Verringerung der Exporte aufgrund erfolgreicher ukrainischer Drohnenangriffe auf die Hafeninfrastruktur der Ostsee hat die Preisrallye jeden auslaufenden Tanker in einen Goldesel verwandelt.“