Einer der Pfeiler der russischen Ölverarbeitung — das Werk Kirischinefteorgsintez (KINEF) im Gebiet Leningrad — hat nach einem nächtlichen Drohnenangriff am 26. März den Betrieb eingestellt. Wie Reuters berichtet, setzten die Treffer strategische Schlüsseleinheiten außer Betrieb, was zum vollständigen Stillstand des Produktionszyklus führte.
Ausmaß der Schäden und Folgen:
- Kritische Anlagen: Beide Hauptanlagen zur Primärverarbeitung — AVT-4 und AVT-6 — wurden beschädigt. Ohne diese ist der Betrieb der Raffinerie mit einer Kapazität von 20 Millionen Tonnen pro Jahr unmöglich.
- Marktanteil: Im Jahr 2025 deckte „KINEF“ 7 % der gesamten russischen Erdölverarbeitung ab. Das Werk ist ein strategischer Lieferant von Dieselkraftstoff (7 Mio. Tonnen) und Benzin (2 Mio. Tonnen) für die Nordwestregion und den Export.
- Systematik der Angriffe: Dies ist bereits der dritte Stillstand des Werks innerhalb der letzten sechs Monate. Vorangegangene Vorfälle im September und Oktober 2025 führten ebenfalls zu massiven Kapazitätsverlusten (bis zu 40 %).
- Domino-Effekt: „KINEF“ ist die zweite große Raffinerie, die in dieser Woche ausfällt. Zuvor, am 21. März, stoppte die Saratow-Raffinerie (Rosneft) nach einem Drohnenangriff die Ölannahme.
Analytisches Fazit:
Der Stillstand von „KINEF“ ist nicht nur ein lokaler Vorfall, sondern ein schwerer Schlag gegen die Energiesicherheit und das Exportpotenzial der Russischen Föderation.
Verwundbarkeit der Giganten: Dass die zweitgrößte Raffinerie des Landes bereits zum dritten Mal ausgeschaltet wird, zeugt von der Unfähigkeit der Flugabwehrsysteme, kritische Infrastruktur tief im Hinterland zuverlässig zu schützen. Der gleichzeitige Treffer auf zwei Anlagen (AVT-4 und AVT-6) deutet auf eine hohe Präzision und die Absicht hin, das Objekt vollständig zu lähmen.
Kraftstoffmangel und Preise: Der Ausfall von 7 % der landesweiten Verarbeitungskapazität wird unweigerlich zu Treibstoffengpässen auf dem Inlandsmarkt führen. Besonders kritisch ist die Situation beim Diesel. Dies wird eine neue Preiswelle an den Tankstellen auslösen und Probleme für die Logistik sowie die Aussaatkampagne schaffen.
Technologische Sackgasse: Die Dauer der Reparaturen an den AVT-Anlagen bleibt ungewiss. Unter Sanktionsbedingungen wird der Ersatz von Hightech-Ausrüstung zu einer extremen Herausforderung. Jede Woche Stillstand bedeutet Millionen Tonnen verlorener Erdölprodukte und Milliardenverluste für Surgutneftegas und den Staatshaushalt. Die Geographie der Angriffe zeigt: Es gibt keine sicheren Zonen mehr für die russische Ölindustrie.