Das Bosch-Hausgeräte-Werk bei St. Petersburg, das nun unter der Leitung der Gazprom-Tochter Gazprom Bytowyje Sistemy steht, nahm im Mai 2025 die Produktion von Kühlschränken wieder auf. Das Unternehmen hat bereits die Fertigung von über 30 Modellen etabliert und eine erste Charge von 30.000 Stück an große russische Einzelhändler wie M.Video-Eldorado und DNS ausgeliefert.
Die Pläne für das Jahr 2026 sehen eine Steigerung der Produktion auf 100.000 Einheiten vor, bis 2027 sollen es 220.000 sein. Parallel dazu bereitet das Unternehmen die Produktion von Waschmaschinen vor. Diese drastische Diversifizierung der Aktivitäten des Gasriesen findet vor dem Hintergrund einer beispiellosen Krise im Kerngeschäft — der Förderung und dem Export von Energieträgern — statt.
Krise des Exportmodells und Verlust des europäischen Marktes
Anfang 2026 zählte Gazprom nur noch vier Kunden im fernen Ausland: Ungarn, die Slowakei, die Türkei und China. Das Exportvolumen von Pipelinegas verharrt das dritte Jahr in Folge auf den Tiefstständen der späten 1980er Jahre. Laut BCS-Schätzungen beliefen sich die Exporte im Jahr 2025 auf lediglich 78 Mrd. Kubikmeter, was fast dreimal niedriger ist als die Spitzenwerte von 2018 (200 Mrd. Kubikmeter).
Die Lieferungen nach Europa fielen auf das Niveau der frühen 1970er Jahre zurück und betrugen im vergangenen Jahr nur 18 Mrd. Kubikmeter. Trotz Rekordkäufen Chinas über die Pipeline Power of Siberia (38,8 Mrd. Kubikmeter) kompensiert die östliche Richtung nur ein Fünftel der früheren Exporte in die EU.
Analytisches Fazit: Der Schwenk von Gazprom zur Produktion von Haushaltsgeräten symbolisiert den erzwungenen Versuch, überschüssige finanzielle und administrative Ressourcen angesichts des Zusammenbruchs der Exporte zu nutzen. Im Jahr 2026 wird diese Strategie die milliardenschweren Einnahmeverluste aus dem Gasverkauf nicht kompensieren können, festigt aber den Trend zur Verstaatlichung von Nischen, die durch den Abzug westlicher Marken frei geworden sind.