Kreml-nahe Ökonomen warnen: Teures Öl wird der russischen Wirtschaft nicht helfen

Die russischen Behörden scheinen darauf zu setzen, dass die durch den Iran-Krieg gestiegenen Ölpreise langfristig hoch bleiben. Das Finanzministerium hat Pläne zur Ausgabenkürzung gestoppt, und das Kreml-nahe Analysezentrum CMASP hat seine Prognosen auf Basis deutlich teureren Öls nach oben korrigiert.

Die CMASP-Prognose in Zahlen:

  • Urals-Preis: Erwartung von 55,6 $ auf 81,6 $ pro Barrel angehoben.
  • Wechselkurs: Erwartete Aufwertung des Rubels auf 70–73 RUB/$ bis Dezember 2026.
  • BIP-Wachstum: Bleibt mit 0,9–1,3 % marginal (zuvor 0,8 %).
  • Inflation: Steigt auf 5,8–6,1 % an, was die Kaufkraft trotz hoher Ölpreise dämpft.

Analytisches Fazit:

Die Warnung vor der „Holländischen Krankheit“ durch regierungstreue Experten ist ein Zeichen dafür, dass die russische Wirtschaft ihre inneren Wachstumsreize verloren hat.

Die Renten-Falle: Das CMASP warnt, dass der Effekt der günstigen Konjunktur in einem „engen Kreis von Rentenempfängern“ (Staatskonzerne und Rüstungssektor) hängen bleibt. Die breite Wirtschaft profitiert kaum.

Währungsparadoxon: Ein erstarkender Rubel (70 pro Dollar) würde den Nicht-Rohstoff-Exporten den Rest geben und die heimische Produktion schwächen, die ohnehin unter den extremen Leitzinsen der Zentralbank leidet. Statt einer Erholung droht eine „inflationäre Überhitzung“: Es gelangt zwar mehr Geld ins System, aber das Angebot an Waren bleibt durch Sanktionen begrenzt, was das „Öl-Glück“ für die Bevölkerung entwertet.

Schreibe einen Kommentar