Das russische Außenministerium hat die Übersetzung eines Interviews von Außenminister Sergej Lawrow mit dem französischen öffentlich-rechtlichen Fernsehen France 2 massiv manipuliert. Laut FranceInfo schreibt die auf dem YouTube-Kanal des Ministeriums veröffentlichte Fassung der Journalistin Léa Salamé Aussagen zu, die sie nie getroffen hat, und verändert den Sinn ihrer Fragen grundlegend zugunsten der Kreml-Propaganda.
Die wichtigsten Manipulationen im Überblick:
- Inhaltliche Umkehrung: Während Salamé im Original anmerkte, man höre „wenig davon, dass Russland seinen Verbündeten Iran schützt“, wurde dies in der russischen Synchronisation in die Behauptung umgewandelt: „Sie haben Ihren Verbündeten Iran viel verteidigt.“
- Statistische Geschichtsklitterung: Die Erwähnung von „Zehntausenden getöteten ukrainischen Zivilisten“ wurde in der Version des Ministeriums auf „Hunderte“ reduziert – ein gezielter Versuch, das Ausmaß der humanitären Katastrophe und möglicher Kriegsverbrechen zu verschleiern.
- Erfundenes Einvernehmen: Um den Eindruck zu erwecken, die westliche Presse stünde Lawrows Positionen nahe, wurde Salamé im russischen Text der Satz „Ich verstehe Sie“ in den Mund gelegt, den sie im Original nie ausgesprochen hat.
Diplomatische Analyse:
Die Verfälschung offizieller Übersetzungen ist ein Symptom für den vollständigen Verfall des diplomatischen Protokolls. Diplomatie basiert auf der Präzision der Sprache; wenn ein Außenministerium die Worte eines Interviewpartners vorsätzlich fälscht, gibt es den Anspruch auf einen ehrlichen internationalen Diskurs auf.
Diese Taktik dient primär dem internen Konsum: Sie soll dem russischen Publikum suggerieren, dass selbst kritische westliche Journalisten vor Lawrows Argumenten kapitulieren. International führt diese Bloßstellung durch France Télévisions jedoch dazu, dass das russische Außenministerium als „toxischer“ Gesprächspartner wahrgenommen wird, was die diplomatische Isolation Moskaus weiter verschärft.