Gegen Ende des Jahres 2025 ist die Zahl der Beschäftigten in Russland, die auf Teilzeit umgestellt, in verkürzte Arbeitspläne versetzt oder in den Stillstand geschickt wurden, sprunghaft angestiegen. Im vierten Quartal belief sich diese Zahl auf 1,6 Millionen Menschen. Laut dem Bericht „Regionale Wirtschaft“ der russischen Zentralbank ist dies der höchste Stand seit dem zweiten Quartal 2020, als das Land unter strengen Pandemie-Beschränkungen stand. Insgesamt stieg die Zahl der Teilzeitbeschäftigten und der im Stillstand befindlichen Arbeiter im Jahr 2025 um 14,3 % (rund 198.000 Personen).
Besonders betroffene Branchen:
- Erdölförderung und Metallurgie.
- Bauwirtschaft.
- Automobilhersteller (AvtoVAZ, GAZ, KAMAZ).
- Rohstoffriesen (Alrosa, VSMPO-Avisma).
Die Zentralbank erklärt diesen Trend mit der sinkenden Nachfrage nach Produkten und dem Bestreben der Unternehmen, Massenentlassungen trotz der wirtschaftlichen Verlangsamung und der hohen Zinssätze zu vermeiden.
Analytische Zusammenfassung:
Die Rekordzahl der Unterbeschäftigung ist ein Symptom für eine „versteckte Krise“. Im Gegensatz zu 2020, als der Stillstand durch Quarantänemaßnahmen verursacht wurde, ist die aktuelle Situation auf einen systemischen Nachfragerückgang und hohe Kapitalkosten zurückzuführen. Dass Industriegiganten wie Alrosa und KAMAZ auf dieser Liste stehen, deutet auf tiefgreifende Probleme in exportorientierten und technologisch anspruchsvollen Sektoren hin.
Die Unternehmen stecken in einer Falle: Entlassungen sind aufgrund des massiven künftigen Fachkräftemangels riskant, aber für volle Gehälter fehlt angesichts stagnierender Produktion das Geld. Dieser „Wartemodus“ ist nicht ewig haltbar. Wenn in den kommenden Quartalen keine Belebung der Geschäftstätigkeit eintritt, wird aus der versteckten Arbeitslosigkeit zwangsläufig eine offene. Für die Gesamtwirtschaft bedeutet dies eine weitere Schrumpfung der Konsumnachfrage, was sich bereits in den leerer werdenden Einkaufszentren widerspiegelt.