Als Reaktion auf die anhaltende Krise im Ölverarbeitungssektor reanimieren die russischen Behörden faktisch sowjetische Praktiken der Wirtschaftsführung. Das Energieministerium wird künftig verbindliche Quoten für die Produktion und den Versand von Treibstoffen vorschreiben. Dieser Schritt folgt auf massive Infrastrukturschäden: 2025 wurden etwa 20 % der Raffineriekapazitäten durch Drohnenangriffe ausgeschaltet, und allein im letzten Monat mussten fünf weitere Großanlagen den Betrieb einstellen.
Kernpunkte des neuen Systems:
- Verbindliche Zuweisungen: Unternehmen erhalten „Produktionsbefehle“ für Benzin und Diesel der Klasse 5, die in speziellen Abkommen mit dem Ministerium festgeschrieben werden.
- Priorisierung des Inlandsmarktes: Der Staat legt strikt fest, welche Mengen für den Binnenmarkt reserviert sind und wie viel exportiert oder an der Börse verkauft werden darf.
- Preisdeckelung: Die Preise an den Tankstellen unterliegen einer strengen staatlichen Kontrolle; die Ölkonzerne sind verpflichtet, Preiserhöhungen innerhalb der offiziellen Inflationsgrenzen zu halten, trotz steigender Mehrwertsteuer und Verbrauchssteuern.
Anfang 2026 stillgelegte Großraffinerien:
- Kinef (Region Leningrad) – 20 Mio. Tonnen/Jahr (zweitgrößte Raffinerie Russlands).
- Nishegorodnefteorgsintes – 17 Mio. Tonnen/Jahr (viertgrößte).
- Die Raffinerien in Nowokuibyschewsk, Saratow und Tuapse.
Bemerkenswert ist, dass sich die Verschiebung der wirtschaftlichen Prioritäten auch in anderen Bereichen widerspiegelt: Drohnen und unbemannte Luftfahrzeuge werden mittlerweile sogar von Einrichtungen gekauft, die weit von technischen Fachrichtungen entfernt sind, wie etwa der Moskauer Akademie für Choreografie oder Kindergärten in den Regionen Tjumen und Perm. In den Lehrplänen wird die Drohnensteuerung als „zusätzliche entwicklungsfördernde Tätigkeit“ positioniert.
Analytische Zusammenfassung
Der Übergang zum „Staatsplan“ in der Ölindustrie ist ein klares Zeichen für das Versagen marktüblicher Mechanismen unter Kriegsbedingungen. Wenn Angriffe die primären Destillationsanlagen zerstören, entstehen physische Lücken in der Versorgungskette. Im Jahr 2025 stiegen die Benzinpreise um 12,7 %, was mehr als doppelt so hoch war wie die offizielle Inflationsrate von 5,6 %.
Durch die Durchsetzung verbindlicher Pläne verteilt der Staat die Verluste innerhalb des Sektors um. Die Ölunternehmen werden gezwungen, den Inlandsmarkt zu Festpreisen zu beliefern, während sie durch die Schäden an der Infrastruktur margenstarke Exporterlöse verlieren. Langfristig führt dies zu einer Unterfinanzierung von Reparaturen; kurzfristig verwandelt es Treibstoff von einem Marktgut in eine staatlich rationierte Ressource.