Kasachstan schließt Russland vom Bau von Kraftwerken aus

Kasachstan hat die Dienste russischer Unternehmen für den Bau von Wärmekraftwerken (WKW) in Semei, Kökschetau und Öskemen abgelehnt. Bei einer Regierungssitzung wurde bekannt, dass Kasachstan beschlossen hat, das WKW in Kökschetau aus eigener Kraft zu bauen, während die anderen zwei von einem kasachisch-singapurischen Konsortium unter Beteiligung von Samruk-Energy errichtet werden.

Wichtige Details des Kurswechsels:

  • Finanzielle Sackgasse: Der Hauptgrund für die Absage waren Schwierigkeiten bei der Finanzierung durch russische Banken. Erwartet wurden Vorzugskredite mit einer Laufzeit von 15 Jahren, jedoch konnte die russische Seite die Subventionierung der Zinssätze nicht bestätigen, was die Projekte für Astana wirtschaftlich unrentabel machte.
  • Wechsel der Partner: Das WKW in Kökschetau (Kosten ca. 300 Mrd. Tenge) wird Kasachstan eigenständig bauen. Die Anlagen in Semei und Öskemen (jeweils ca. 400 Mrd. Tenge) werden von einem Konsortium mit Singapur realisiert, womit der ursprüngliche Plan unter Beteiligung des russischen Giganten Inter RAO hinfällig ist.
  • Hintergrund der Vereinbarung: Die Vereinbarung über den Bau der Kraftwerke wurde im November 2023 während eines Besuchs von Wladimir Putin unterzeichnet. Ursprünglich wurde das Investitionsvolumen auf 2,7 Mrd. USD geschätzt, wobei Inter RAO als Generalunternehmer fungieren sollte. Nach zwei Jahren kehrt das Projekt nun ohne russische Beteiligung in die Planungsphase zurück.

Analytisches Fazit:

Der Ausstieg Kasachstans aus dem Energiedeal mit Russland ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie hohe Leitzinsen und der Sanktionsdruck auf russische Banken Moskau den Status als „Infrastrukturexporteur“ entziehen.

Das Scheitern der Finanzdiplomatie: Das traditionelle Einflussmodell des Kremls – „wir bauen, unsere Banken geben den Kredit“ – funktioniert nicht mehr. Unter den aktuellen Marktbedingungen in der Russischen Föderation ist die Bereitstellung von Vorzugsfinanzierungen für langfristige Auslandsprojekte für Moskau zu einem unbezahlbaren Luxus geworden. Astana hat sich pragmatisch für singapurische Investitionen entschieden, die nicht durch Sanktionsrisiken belastet sind und eine transparentere Struktur aufweisen.

Technologische Unabhängigkeit: Der Ersatz von Inter RAO durch Eigenleistungen und asiatische Partner deutet darauf hin, dass Kasachstan russische Energietechnologien nicht mehr als alternativlos betrachtet. Die Nutzung singapurischer Expertise könnte einen Übergang zu moderneren ökologischen und digitalen Standards bei der Kraftwerkssteuerung bedeuten, was für die Modernisierung des veralteten Energiesystems des Landes von entscheidender Bedeutung ist.

Geopolitische Drift: Die öffentliche Abkehr von Vereinbarungen, die auf präsidialer Ebene getroffen wurden, unterstreicht die wachsende Distanz zwischen Astana und Moskau. Kasachstan setzt seine Politik der Multivektoralität fort und demonstriert, dass der Status als „EAWU-Verbündeter“ Russland kein automatisches Recht auf Großaufträge im Infrastrukturbereich einräumt, wenn diese nicht durch reales, wettbewerbsfähiges Kapital untermauert sind.

Schreibe einen Kommentar