Der Mangel an finanziellen Mitteln bleibt die größte Schwierigkeit für russische Familien. Laut einer aktuellen Umfrage des Lewada-Zentrums antworteten auf die Frage „Was erschwert das Leben Ihrer Familie derzeit am meisten?“, 48 % der Befragten mit „geringes Einkommen“. Dies ist die mit Abstand häufigste Antwort, weit vor dem zweitplatzierten „schlechter Gesundheitszustand und Schwierigkeiten bei der Behandlung“ (30 %).
Die offizielle Statistik verzeichnet einen Zuwachs an Wohlstand: Im vergangenen Jahr stiegen die Realeinkommen um 7,7 %, und die Armutsquote sank auf 6,7 %. Die subjektive Wahrnehmung der Bevölkerung unterscheidet sich jedoch drastisch. Die Schärfe des Problems nimmt mit dem Alter zu: Bei den Jüngsten (18–24 Jahre) klagen 32 % über das Einkommen, in der Gruppe der 40- bis 54-Jährigen sind es genau 50 % und bei den über 55-Jährigen 52 %.
Die Studie deckte eine katastrophale Lücke bei der Einschätzung des Existenzminimums auf:
- Meinung der Bürger: Um im Februar ein „normales Leben“ zu führen, war ein Einkommen von 43.800 Rubel pro Person erforderlich.
- Rosstat-Vorgabe: Die offizielle Armutsgrenze liegt bei 17.100 Rubel (2,5-mal niedriger).
- Realität: Daten von Rosstat bestätigen, dass fast 40 % der Russen im vergangenen Jahr ein Einkommen unter dieser subjektiven Überlebensgrenze von 43.800 Rubel hatten.
Analytisches Fazit: Die Daten bestätigen eine tiefe Kluft zwischen makroökonomischen Berichten und dem sozialen Befinden der Bürger. Die offizielle Armutssenkung erfolgt durch Manipulation von Standards, während der reale Warenkorb um ein Vielfaches teurer ist. Für die EU und internationale Beobachter ist dies ein klares Signal: Der mobilisierungsbedingte Einkommenszuwachs (Zahlungen an Militär und Rüstungsindustrie) gleicht die Inflation für die Mehrheit der Bevölkerung nicht aus. Die russische Wirtschaft steht vor einem Paradoxon: Formales BIP-Wachstum geht mit einem massiven Gefühl der Verarmung einher, was verborgene soziale Spannungen erzeugt und das Potenzial des Binnenmarktes einschränkt.