Die Verschärfung der Sanktionen, rekordhohe Zinssätze und drastische Steuererhöhungen haben zu einer systemischen Verschlechterung der Finanzkennzahlen der russischen Wirtschaftsschwergewichte geführt. Wie die Zeitung Wedomosti unter Berufung auf die Berichterstattung der Unternehmen meldet, mussten zum Jahresende 2025 fast 75 % der größten Unternehmen Russlands Umsatzeinbußen und Gewinnrückgänge hinnehmen oder rutschten komplett in die Verlustzone.
Zusammen verloren 28 der größten Unternehmen 16,7 % ihres Umsatzes (ein Rückgang um 8,6 Billionen Rubel), 30,8 % des Nettogewinns (minus 1,9 Billionen Rubel) und 20,1 % des EBITDA (Schrumpfung um 3 Billionen Rubel).
Unternehmenssektor: Finanzielle Verluste nach Branchen
| Branche / Unternehmen | Ausmaß des Rückgangs (Jahresergebnisse) |
| Öl- und Gassektor | |
| Lukoil | 1,06 Billionen Rubel Nettoverlust (erstmals in der 30-jährigen Geschichte) |
| Rosneft | Rückgang des Nettogewinns um fast das 4-Fache |
| Gazprom Neft / Tatneft | Halbierung des Nettogewinns (um das 2-Fache) |
| Metallurgie und Bergbau | |
| Severstal | Gewinneinbruch um das 4,7-Fache |
| NLMK | Gewinnrückgang um das 2-Fache |
| MMK / Rusal | Rutschten in die Verlustzone |
| Mechel | Verdoppelung des Nettoverlustes (um das 2-Fache) |
| Raspadskaya | Anstieg der Verluste um 28 % |
| Transport und Logistik | |
| RZD (Russische Eisenbahnen) | Nettogewinn sank um das 22-Fache (am Rande des Verlustes) |
| Aeroflot | Gewinnrückgang um 65 % |
| Sovcomflot | Nettoverlust von 648 Millionen USD |
| Fesco-Gruppe | Nettoverlust von 3,2 Milliarden Rubel |
Systemressource: Analyse von Resilienz und Risiken
Der massive finanzielle Einbruch in den Schlüsselbranchen signalisiert eine tiefe strukturelle Krise des Modells des „Kriegskapitalismus“ in der RF:
- Marktschrumpfung und Preisabschläge: Nach Einschätzung von Pjotr Arronet, Chefanalyst der Ingo Bank, sind die Hauptursachen für diese Erosion die Verschärfung von Sekundärsanktionen, der Verlust europäischer Premium-Absatzmärkte und erzwungene hohe Preisabschläge auf Rohstoffe bei Lieferungen nach Asien.
- Inflations- und Zinsfalle: Die extrem restriktive Geldpolitik der Bank von Russland macht den Schuldendienst für hochverschuldete Großunternehmen (insbesondere im Transport- und Metallurgiesektor) unerschwinglich.
- Erschöpfung des Investitionspotenzials: Der Übergang der Unternehmen in den „Überlebensmodus“ bedeutet das Einfrieren von Modernisierungsprogrammen und den Stopp der Erschließung neuer Vorkommen oder Logistikprojekte. Wachsende Verluste bei strategischen Betreibern (wie RZD und dem Schattenflotten-Verwalter Sovcomflot) untergraben die Stabilität der kritischen Infrastruktur.
Fazit: Die russische Großwirtschaft hat ihre Anpassungsreserven aus den ersten Kriegsjahren endgültig aufgebraucht. Der Entzug von Liquidität durch den Staat über Steuern und Zölle bei gleichzeitig sinkender operativer Effizienz raubt der Wirtschaft die Basis für eine Erholung und führt zu einer dauerhaften Stagnation.