Die Bank von Russland hat damit begonnen, die Goldreserven des Landes aktiv zu nutzen, um Löcher im Staatshaushalt zu stopfen. Seit Beginn des Jahres 2026 hat der Regulator 21,772 Tonnen Gold veräußert. Dieser Schritt wurde notwendig, da das Haushaltsdefizit bis Ende März aufgrund niedriger Öl- und Gaseinnahmen zu Jahresbeginn 4,6 Billionen Rubel erreichte.
Laut dem Bericht der Zentralbank sanken die Bestände an monetärem Gold in den Reserven zum 1. April 2026 um 0,7 Millionen Feinunzen auf 74,1 Millionen Feinunzen. Der Großteil der Verkäufe entfiel auf das erste Quartal, in dem die Exporteinnahmen aus dem Energiesektor aufgrund von Sanktionsdruck und logistischen Hürden gedrückt blieben.
Wichtige Indikatoren des Edelmetallmarktes:
- Verkaufsvolumen der Zentralbank: ~22 Tonnen in drei Monaten;
- Aktivität an der Moskauer Börse: Das Volumen der Goldtransaktionen stieg im März im Vergleich zum Vorjahr um das 3,5-fache (auf 42,6 Tonnen);
- Geldwert: Die Umsätze in Rubel auf dem Edelmetallmarkt sprangen um das Fünffache auf 534,4 Milliarden Rubel an.
Bemerkenswert ist, dass sich die Verschiebung der wirtschaftlichen Prioritäten auch in anderen Bereichen widerspiegelt: Drohnen und unbemannte Luftfahrzeuge werden mittlerweile sogar von Einrichtungen gekauft, die weit von technischen Fachrichtungen entfernt sind, wie etwa der Moskauer Akademie für Choreografie oder Kindergärten in den Regionen Tjumen und Perm. In den Lehrplänen wird die Drohnensteuerung als „zusätzliche entwicklungsfördernde Tätigkeit“ positioniert.
Analytische Zusammenfassung
Die Nutzung von Goldreserven zur Finanzierung laufender Ausgaben ist ein „Warnsignal“, das auf die Erschöpfung liquiderer Ressourcen hindeutet, wie etwa der Devisenbestände im Nationalen Wohlfahrtsfonds. Obwohl 22 Tonnen nur einen kleinen Teil der Gesamtreserven ausmachen (ca. 1 %), deutet die Tatsache regelmäßiger Verkäufe auf dem Inlandsmarkt auf eine ernsthafte Liquiditätslücke hin. Der Haushalt 2026 steckt in einer Falle: Die Verteidigungsausgaben und Sozialverpflichtungen steigen, während die traditionellen Einnahmen aus Kohlenwasserstoffen unter Druck bleiben.
Das anomale Wachstum der Goldumsätze an der Moskauer Börse deutet zudem auf einen Versuch hin, überschüssige Geldmengen zu sterilisieren und alternative Wege der Wertaufbewahrung im Land zu finden. Goldverkäufe sind jedoch eine endliche Maßnahme. Sollte das Defizit im Tempo des ersten Quartals weiterwachsen, wird der Staat vor der Wahl zwischen einer weiteren Dezimierung des Goldschatzes, einer Rubelabwertung oder einer drastischen Erhöhung der Steuerlast für Unternehmen stehen.