Im Bereich des baltischen Hafens Wyssozk ist am Samstag infolge eines Angriffs durch unbemannte Luftfahrzeuge (UAVs) ein Feuer ausgebrochen. Dies teilte der Gouverneur der Region Leningrad, Alexander Drosdenko, in seinem Telegram-Kanal mit, ohne Einzelheiten zur Entstehung des Brandes zu nennen.
„Im Bereich des Hafens Wyssozk gibt es einen Brand, der derzeit gelöscht wird“, hieß es in der Mitteilung des Gouverneurs.
Im Hafen von Wyssozk befindet sich ein Terminal des Unternehmens Lukoil, das Heizöl, Naphtha, Dieselkraftstoff und Vakuumgasöl für den Export umschlägt. Branchendaten zufolge belief sich der Exportumschlag von Erdölprodukten am Lukoil-Terminal in Wyssozk (RPK-Wyssozk Lukoil II) im Jahr 2025 auf fast 9 Millionen Tonnen.
Innerhalb der Grenzen des Seehafens Wyssozk befinden sich zudem:
- Ein Kohleterminal;
- Das Terminal für den Umschlag von Flüssigerdgas (LNG) Kriogas-Wyssozk von Novatek;
- Eine Anlage mit einer Kapazität von 820.000 Tonnen pro Jahr.
Der Hafen Wyssozk ist nach Ust-Luga der zweitwichtigste Ölumschlagplatz der Region und liefert einen erheblichen Anteil der Exporte an die Weltmärkte unter Umgehung traditioneller Pipeline-Routen.
Analytische Zusammenfassung:
Der Angriff auf Wyssozk ist die Fortsetzung einer systematischen Kampagne zur Ausschaltung der russischen Tiefseehäfen. Die Wahl des Ziels ist kein Zufall: Wyssozk ist auf raffinierte Erdölprodukte (Heizöl, Naphtha) spezialisiert, deren Umleitung im Falle einer Beschädigung der Tankanlagen oder Anlegestellen deutlich schwieriger und kostspieliger ist als bei Rohöl.
Für Lukoil ist dies ein schwerer Schlag für die Vertriebskette, insbesondere vor dem Hintergrund bereits bestehender Logistikschwierigkeiten in der Ostsee. Sollte die Infrastruktur von Kriogas-Wyssozk beschädigt sein, könnte dies die russischen LNG-Lieferungen an Länder, die sich keinem vollständigen Embargo angeschlossen haben, vorübergehend einschränken.
Das Hauptrisiko für 2026 ist eine Lähmung bei Versicherungen und Logistik. Solche Vorfälle zwingen die Tankerflotten, höhere Risikoprämien für die Ostsee zu fordern, was den Nettoerlös der Exporteure (Netback) schmälert. Zudem müssen die Häfen der Region Leningrad ihre Luftabwehr- und EloKa-Maßnahmen verstärken, was den regulären Betrieb der Terminals erschwert. Angesichts der sinkenden Weltmarktpreise für Öl verschärfen jegliche Unterbrechungen der physischen Lieferungen aus Wyssozk lediglich das Defizit bei den Deviseneinnahmen des Haushalts.