Die Europäische Union versucht, eine einheitliche Strategie gegen den wachsenden wirtschaftlichen Einfluss Chinas zu entwickeln, um die eigene Industrie zu schützen und eine Abhängigkeit durch „nicht-marktkonforme“ Mechanismen zu verhindern. Laut Politico wird dieses Vorhaben jedoch durch tiefe Meinungsverschiedenheiten zwischen den Mitgliedstaaten blockiert, die ihre nationalen Interessen über die geopolitischen Vorgaben Brüssels stellen.
Zentrale Konfliktpunkte:
- Industrial Acceleration Act (IAA): Der Generalplan der EU-Kommission zur Wiederbelebung der Industrie sieht unter anderem vor, chinesische Investitionen in strategisch wichtigen Sektoren drastisch zu beschränken.
- Investitions-Widerstand: Während Brüssel auf „De-Risking“ drängt, öffnen Länder wie Spanien und Ungarn dem chinesischen Kapital weiterhin die Türen.
- Großprojekte: Der chinesische Batteriegigant CATL investiert 4,1 Milliarden Euro in ein Werk in Saragossa. Zudem eröffnet der Automobilhersteller Chery Ende 2026 sein erstes europäisches Werk in der Nähe von Barcelona.
Analytische Zusammenfassung:
Der Streit um den Industrial Acceleration Act (IAA) offenbart eine fundamentale Schwäche der EU: die Diskrepanz zwischen geopolitischen Ambitionen und finanzieller Realität. Brüssel fordert von den Mitgliedstaaten den Verzicht auf günstiges chinesisches Kapital im Namen der „strategischen Autonomie“, bietet jedoch keine gleichwertigen finanziellen Alternativen zur Förderung der heimischen Industrie an.
Für Länder wie Spanien sind die Investitionen von CATL und Chery ein wirtschaftlicher Rettungsanker und die Chance, ein Hub für Elektromobilität zu werden. Peking nutzt geschickt die Taktik „Teile und herrsche“, indem es gezielt in Länder investiert, die so zu Fürsprechern chinesischer Interessen innerhalb der EU werden. Dies gefährdet nicht nur den IAA, sondern die gesamte außenwirtschaftliche Strategie der Union. Europa steht 2026 vor dem Dilemma: Deindustrialisierung (ohne China) oder Souveränitätsverlust (mit China).