Die Raffinerie „Nishegorodnefteorgsintez“ (NORSI), die viertgrößte Anlage Russlands, hat nach einem Drohnenangriff am 5. April die Verarbeitung eingestellt. Laut Reuters hat das Werk, das eine Schlüsselrolle bei der Kraftstoffversorgung des Moskauer Gebiets spielt, die Annahme von Rohöl gestoppt und sämtliche Bestände an Benzin und Diesel von der St. Petersburger Rohstoffbörse zurückgezogen.
Ausmaß und Folgen des Stillstands:
- Lieferstopp: Quellen aus der Branche berichten, dass NORSI voraussichtlich bis Ende April keine Kraftstoffe verladen wird. Auch die Abholung per LKW ab Werk wurde eingestellt.
- Strategische Kapazität: Mit einer Kapazität von 17 Mio. Tonnen Rohöl pro Jahr und einer Produktion von über 5 Mio. Tonnen Benzin ist der Ausfall für den Inlandsmarkt massiv.
- Systemische Krise: Dies ist bereits die dritte Großraffinerie, die in diesem Frühjahr nach Angriffen den Betrieb einstellt, nach der Saratow-Raffinerie (21. März) und „Kinef“ im Leningrader Gebiet (26. März), dem größten Werk im europäischen Teil Russlands.
Analytisches Fazit:
Die Lähmung der Nischni Nowgoroder Raffinerie markiert den Übergang von vereinzelten Nadelstichen zu einer systemischen Treibstoffkrise in Russland.
Schlag ins „Herz“ des Verbrauchs: Im Gegensatz zu exportorientierten Werken versorgt NORSI primär den Binnenmarkt. Der Ausfall von 5 Mio. Tonnen Benzinkapazität jährlich, während gleichzeitig die Riesen in Leningrad und Saratow stillstehen, erzeugt einen „perfekten Sturm“. Die Regierung wird gezwungen sein, strategische Reserven anzugreifen oder Treibstoffimporte aus Belarus drastisch zu erhöhen.
Technologischer Engpass: Die Prognose „bis Ende April“ ist optimistisch. Sollten kritische Anlagen wie die katalytische Reformierung beschädigt sein, könnten Reparaturen unter den aktuellen Sanktionen Monate dauern. Dass drei der größten Werke gleichzeitig ausfallen, zeigt, dass die Luftverteidigung den Schutz der Infrastruktur selbst im Hinterland nicht mehr lückenlos gewährleisten kann.
Wirtschaftliche Ironie: Während Rohöl-Exporte aufgrund der Hormus-Krise Rekordpreise von 116 USD erzielen, entsteht im Inneren Russlands ein Paradoxon: Ein Überfluss an Rohstoff bei akutem Mangel an fertigem Benzin. Dies trifft besonders die Landwirtschaft mitten in der Frühjahrsaussaat.