Rubel fällt trotz steigender Ölpreise auf Mehrmonatstiefs

Der russische Rubel hat die fünfte Woche in Folge mit Verlusten begonnen, obwohl die Preise für russisches Öl stark gestiegen sind und in Russlands Häfen über 70 USD pro Barrel sowie in Indien fast 100 USD erreichen. An der Moskauer Börse erreichte der Yuan am Montag mit 11,84 Rubel den höchsten Stand seit September letzten Jahres. Der außerbörsliche Dollarkurs stieg auf 81,51 Rubel, während der Euro erstmals seit Januar 2026 die Marke von 93 Rubel überschritt.

Hintergrund der Rubelschwäche ist die Kürzung der staatlichen Unterstützung. Am 4. März 2026 setzte das Finanzministerium die Währungsverkäufe aus dem Nationalen Wohlfahrtsfonds (NWF) im Rahmen der „Budgetregel“ aus, um die verbleibenden Mittel des Fonds zu schonen. Seit Kriegsbeginn wurden bereits zwei Drittel der liquiden Mittel des Fonds zur Deckung von Haushaltslöchern entnommen.

Haushaltsdefizit gegen Wechselkursstabilität

Wladimir Tschernow von Freedom Finance stellt fest, dass dem Markt ein regelmäßiges Währungsangebot des Staates in Höhe von etwa 200 Mrd. Rubel entzogen wurde. Dies erhöht automatisch die Volatilität und den Abwertungsdruck auf den Rubel.

Andrej Chochrin, CEO von Ivolga Capital, weist auf den fundamentalen Widerspruch hin: Ein starker Rubel lässt sich kaum mit dem chronischen Defizit des russischen Haushalts vereinbaren. Zur Deckung der Finanzierungslücken ist ein schwächerer Kurs für den Staat vorteilhafter, da er Exporteinnahmen in mehr Rubel umrechnen kann.

Analytisches Fazit: Der russische Devisenmarkt ist im März 2026 aufgrund der Erschöpfung der NWF-Reserven in eine Phase der „manuellen Steuerung“ übergegangen. Dass der Rubel trotz teuren Öls schwächelt, bestätigt, dass die fiskalischen Interessen des Regimes (Haushaltsfinanzierung) nun Vorrang vor der makroökonomischen Stabilität haben, was unweigerlich die Inflation anheizen und die Realeinkommen der Bevölkerung senken wird.

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